Kartieren? So klappt’s!

Kartieren ist eine wichtige Methode in der Geographie. Ausgangspunkt für eine Kartierung ist ein Problem, bei dem Raum- und Sachdaten in Beziehung zueinander gesetzt werden.

Du willst wissen, wie die Situation bzgl. bestimmter Merkmale ein einem Ort ist. Sehr verbreitet in der planerischen Praxis sind z. B. Einzelhandelskartierungen: Welche Geschäfte sind in einer Innenstadt vorhanden? Wieviel Leerstand gibt es in welchen Einzelhandelslagen? Es gibt aber auch faunistische und floristische Kartierungen. Insbesondere Biotopkartierungen sind in Deutschland üblich, um die Lebensräume bestimmter Tiere und Pflanzen zu erfassen (s. z. B. die „Biotopkartierung Bayern“).

Damit Du selbst in Deine Forschungsarbeit Kartierungen aufnehmen kannst, erklären wir dir hier, wie Du vorgehen musst. Mindestens genauso wichtig wie der Kartierungsvorgang selbst, ist dabei eine durchdachte, zielorientierte Vorbereitung. Folgende Schritte sind dafür nötig:

  1. Zielsetzung und Fragestellung formulieren
  2. Kartengrundlage besorgen
  3. Kartierschlüssel und Kartieranleitung anlegen

Wenn Du Dich an diesen Schritten orientierst und dir im Vorhinein genau überlegst, was beim Kartieren für Deine Fragestellung wichtig ist, kannst Du endlich loslegen!

Zielsetzung und Fragestellung formulieren

Das Ziel einer Kartierung ist klar: Eine thematische Karte. Aber welche Informationen soll sie enthalten? Für die Kartierung ist es wichtig, bereits vor der Umsetzung eine klare Zielvorstellung zu haben. Meist stellt die Kartierung dabei nur eine von mehreren Methoden da, die in komplexen Untersuchungen angewendet werden. Deshalb mach Dir klar, welche Fragestellung Du nur durch die raumbezogene Datenerhebung beantworten kannst. Formuliere das Ziel und die Fragestellung sowie die zughörigen Thesen.

Als Beispiel nehmen wir in diesem Beitrag folgende Fragestellung:

Wie haben sich Innenstädte in Bezug auf vorhandenen Einzelhandel parallel zur Ausbreitung des Onlineshoppings verändert?

Zugehörige Thesen könnten so aussehen:

Onlineshopping führt dazu, dass weniger Kund*innen Geschäfte besuchen.

Weniger Kund*innen führen zu mehr Leerstand und schlechterem Zustand von Geschäften.

Kleinere Läden sind stärker betroffen als große Läden bzw. Ketten.

Manche Branchen sind stärker betroffen als andere.

Die erste These stellt einen kausalen Zusammenhang dar, den Du nicht direkt durch eine Kartierung belegen kannst. Du kannst aber die jetzige Nutzung eines Einzelhandelsbereichs kartieren und mit früheren Kartierungen vergleichen. (Die Gründe für die Veränderungen musst Du dann mit Hilfe von anderen Methoden erfassen, die nicht Teil dieses Artikels sind.)

Um einen klaren Überblick über Deine Fragestellung, die dazugehörigen Thesen und die Indikatoren zu erhalten, die Du für Deine Kartierung benötigst, ist es sinnvoll, eine Tabelle mit allen Informationen anzufertigen. In unserem Fall sieht das so aus:

Für mehr Tipps zur Erstellung solcher Tabellen schau Dir unseren Tabellentrick an.

Kartengrundlage besorgen

Nachdem Du nun dein Thema genauer ausgearbeitet hast, geht es in die Vorbereitung der Kartierung selbst. Hierfür brauchst Du zunächst Kartenmaterial von dem Bereich, den Du kartieren möchtest. Je nach Fragestellung kannst Du Dich an topographischen, amtlichen und Liegenschafts- bzw. Katasterkarten orientieren. Dafür stehen dir eine Vielzahl an öffentlichen Datenbanken zur Verfügung, z.B. das Amtliche Liegenschaftskataster­informationssystem (ALKIS) und das amtliche Topographisch-Kartographische Informationssystem (ATKIS). Möchtest Du Dich im Falle unseres Beispiels mit der Bochumer Innenstadt beschäftigen und z. B. eine DGK 5000 nutzen, bist Du beim Geoportal NRW genau richtig.

Kartierschlüssel und Kartierunganleitung anlegen

Bevor Du mit dem Kartieren loslegen kannst, bleibt noch die Erstellung eines Kartierschlüssels. Dieser beinhaltet in Form einer Tabelle alle wichtigen Daten, die Du sammeln möchtest. Im Falle unseres Beispiels wären das zunächst die Hausnummer bzw. Adresse der Geschäfte sowie alle möglichen Angaben zum Geschäft von Relevanz für die Forschungsfrage (Branche, Bedarf, Zustand, Alter, Größe, Leerstand). Der Kartierschlüssel bildet das Fundament Deiner Kartierung und sollte daher gut überlegt und ausgearbeitet sein, bevor Du mit dem Kartieren beginnst!

Ein erster Entwurf eines Kartierschlüssels für unser Beispiel könnte so aussehen:

Besser ist es allerdings, aus den konkreten Daten Kategorien zu bilden und zu erklären, wie Du die jeweiligen Objekte den Kategorien zuordnest. Dazu solltest Du eine genaue Kartieranleitung anlegen, die beschreibt, wie die Indikatoren Deiner Kategorien operationalisiert werden. Die Kategorien sollten – um sie später im GIS leichter verknüpfen zu können – mit eindeutigen Indikatoren wie Zahlen oder Buchstaben identifiziert werden:

Branche (hier orientiert an der Klassifikation der Wirtschaftszweige nach dem Statistischen Bundesamt):

1 Handel mit Kraftfahrzeugen; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen

2 Einzelhandel mit Nahrungs- und Genussmitteln, Getränken und Tabakwaren

3 Einzelhandel mit Motorenkraftstoffen (Tankstellen)

4 Einzelhandel mit Geräten der Informations- und Kommunikationstechnik

5 Einzelhandel mit sonstigen Haushaltsgeräten, Textilien, Heimwerker- und Einrichtungsbedarf

6 Einzelhandel mit Verlagsprodukten, Sportausrüstungen und Spielwaren

7 Einzelhandel mit sonstigen Gütern (z.B. Kleidung; Apotheken)

Bedarf:

1: Täglicher Bedarf

2: Periodischer Bedarf

3: Episodischer Bedarf

Zustand:

1: Sehr gut: sichtbar in jüngerer gebaut oder saniert, keine größeren Mängel von außen ersichtlich

2: Gut: Wirkt ordentlich, aber nicht neu. Nur kleinere Mängel ersichtlich.

3: Mittel: Einige Mängel ersichtlich, aber Funktionalität nicht beeinträchtigt: Alte Fenster (keine Mehrfachverglasung), Farbe an der Hausfassade blättert ab u.ä.

4: Schlecht: Ungepflegt, z. B. mit Grafitti besprüht, Verkleidung oder Farbe auf der Hausfassade weitgehend zerstört, Dach wirkt schadhaft, Fensterrahmen alt, keine Mehrfachverglasung, keine Isolierung u. ä.

5: Sehr schlecht: Teile des Gebäudes sind kaputt oder eingestürzt, Pflanzen wachsen aus der Fassade oder dem Dach, Schäden verhindern die Nutzbarkeit.

Filialisierung:

1: Inhabergeführt

2: Filiale

Größe (orientiert am Masterplan Einzelhandel Bochum):

1: Großflächiger Einzelhandelbetrieb <800m2

2: Sonstiger Einzelhandelbetrieb >800m2

Leerstand:

1: Ja

2: Nein

Wie Du die jeweiligen Indikatoren operationalisierst, kannst Du vom Fokus Deiner Forschung abhängig machen. So könnte man beispielsweise Zustand oder Branche auch in weniger Unterkategorien zusammenfassen, die etwas allgemeiner gehalten sind. Wendet man nun die erstellte Kartieranleitung auf unseren Entwurf an, sieht der Kartierschlüssel im nächsten Schritt so aus:

Vom Kartieren zur Karte

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die erhobenen Daten in eine Karte zu bringen. Je nachdem, mit welche Software Du arbeitest, kannst Du die Daten direkt in ein GIS, also in die Karte eingeben.

Andernfalls sammelst Du die Daten zunächst, bevor Du sie später in eine Karte einträgt. Dazu musst Du aus dem Kartierschlüssel eine Legende erstellen und in Deiner Karte mit verschiedenen Ebenen arbeiten. Je mehr Kategorien Du veranschaulichen willst, desto komplexer wird die Karte am Ende sein.

Eine Kartierung der Branchen des Einzelhandels könnte beispielsweise so aussehen:

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