Du stehst am Anfang Deiner Abschlussarbeit? Du bist Dir noch nicht sicher, ob Dein Thema tragfähig ist? Du würdest gerne ein Gespräch über Deine Ideen führen?
Dann ist ein Exposé genau das, was Du brauchst. Es hilft Dir Deine Gedanken zu ordnen und schlüssig darzustellen. Auf dieser Grundlage kannst Du dann Gespräche über Dein Vorhaben führen – zum Beispiel mit möglichen Betreuer:innen Deiner Abschlussarbeit oder eines Studienprojektes.
Was ist ein Exposé?
Es ist die schriftliche Darstellung eines wissenschaftlichen Vorhabens, das als Grundlage für die Diskussion und Überarbeitung des Vorhabens dienen soll. Es zeigt die Forschungslücken zu einem Thema und die Relevanz einer Fragestellung auf. Im Mittelpunkt eine steht klar formulierte Zielsetzung, aus der dann das methodische Vorgehen und der Aufbau der Arbeit hergeleitet werden können.
Voraussetzungen für das Schreiben eines Exposés
Voraussetzung für das Schreiben eines Exposés sind:
1. Eine Themenidee
Anlass für Dein Interesse an einem Thema kann genauso ein praktisches Problem wie eine Forschungslücke sein.
2. Ein erster Überblick über den Stand der Forschung
Auch wenn Du durch ein praktisches Problem auf ein Thema gestoßen bist, solltest Du Dich zunächst mit dem Stand der bisherigen Forschung auseinandersetzen. Nur so merkst Du, ob die Frage nicht schon längst von jemand anderem erschöpfend behandelt wurde bzw. welche Aspekte für eine vertiefte Analyse interessant sein könnten. Bis zum Schreiben Deines Exposés kannst Du nicht alle Texte, die Du bei einer ersten Recherche findest, gelesen haben. Aber durch die Titel und Zusammenfassungen, die guten Fachartikeln vorausgestellt werden, merkst Du schon einmal, welche Schwerpunkte in der bisherigen Forschung gesetzt wurden.
3. Eine Zielsetzung und Fragestellungen
Bemühe Dich darum, eine klare Zielsetzung zu formulieren, die Du dann durch ein oder mehrere Forschungsfragen ergänzen kannst. Die Zielsetzung erklärt, wozu Du Dich mit dem Thema befassen möchtest (z. B. um eine fehlende Perspektive aufzuzeigen, Handlungsempfehlungen zu formulieren oder ein praktisches Problem zu lösen). Die Forschungsfragen konkretisieren dann Dein Vorhaben und gliedern es später in mehrere Arbeitsschritte (z. B.: Besteht ein Zusammenhang zwischen zwei Phänomenen? Lässt sich eine Theorie auf ein bestimmtes Beispiel anwenden? Welche Rahmenbedingungen sind erforderlich um etwas zu erreichen? Welche verschiedenen Sichtweisen gibt es auf ein Phänomen? Was ergibt sich daraus für die Praxis?)
4. Die Prüfung der Machbarkeit und Überlegungen zum Vorgehen
Das konkrete Vorgehen in Deiner Untersuchung wird aus Deiner Zielsetzung hergeleitet. Niemals solltest Du als erstes überlegen, welche Methoden Du verwenden möchtest – formuliere immer erst Deine Zielsetzung und die Fragestellung und ggf. zu überprüfenden Thesen. Dann leite daraus mögliche empirische Arbeitsschritte her. Zur Beantwortung mehrerer Forschungsfragen können auch mehrere Methoden erforderlich sein (z. B. Dokumentenanalyse, Kartierung, teilnehmende Beobachtung, standardisierte Befragung). Überleg Dir für jede Frage, wie Du an die Antworten kommst. Dazu empfiehlt es sich, eine Tabelle aufzustellen (s. Der Trick mit der Tabelle). Dort kannst Du auch ein eintragen, welche Quellen an Fachliteratur und Daten Du für jeden Teilaspekt Deiner Arbeit gefunden hat.
Die Struktur eines Exposés
Die Gliederung Deines Exposés entspricht im Großen und Ganzen den oben dargestellten vorbereitenden Arbeitsschritten.
1. Relevanz des Themas darstellen
Verdeutliche, warum das Thema, um das es geht, aktuell, relevant oder unterforscht ist. Beruf Dich dabei auf den Stand der Forschung und ggf. praktische Probleme, öffentliche oder fachliche Diskussionen.
2. Zielsetzung und Forschungsfragen benennen
Die Zielsetzung ist ein zentraler Satz in Deinem Exposé und sollte klar ausformuliert werden (z. B. „Ziel meiner Arbeit ist es…“). Sie macht deutlich, wozu Deine Untersuchung dient. Sie wird durch konkrete Forschungsfragen oder zu überprüfende Thesen ergänzt. Forschungsfragen sind oft W-Fragen (z. B. Was? Warum? Wie? Wie oft? Wie lange?) Zielsetzung und Forschungsfragen sollten aus dem Stand der Forschung hergeleitet und begründet werden.
Wenn Du Dir noch nicht sicher bist, welche Schwerpunkt Du setzen willst, weil Du mehrere Ideen hast, dann formulier alternative Zielsetzungen und Fragestellungen, die Du dann später mit Deinem Betreuer oder Deiner Betreuerin diskutieren kannst.
3. Methodik
Stelle dar, mit welchen Methoden Du Deine Untersuchung umsetzen möchtest. Für die einzelnen Arbeitsphasen brauchst Du vermutlich unterschiedliche Vorgehensweisen und Instrumente. Stell sie jeweils im Zusammenhang mit den einzelnen Forschungsfragen dar. Wenn Du für Deine Erhebung Zugang zu bestimmten Einrichtungen oder Personengruppen benötigtest, dann schreib hinein, wie/über wen Du diesen Zugang zu bekommen glaubst oder formulier das als noch zu klärende Frage.
4. Aufbau der Arbeit
Der Aufbau der Arbeit ergibt sich meist aus den Forschungsfragen und der gewählten Methodik. Formuliere die Gliederung präzise für Dein Thema. D. h., verwende nicht formale Überschriften wie „Quellenauswertung“ und „Datenerhebung“, sondern wähle sprechende Formulierungen (z. B. „Entwicklung des ländlichen Raums seit Beginn der Covid 19-Pandemie“ und „Entwicklung der Mietpreise außerhalb von Metropolen seit 2019“).
5. Bibliographie
Füge Deinem Text eine Bibliographie an. Eine Bibliographie umfasst alle Quellen, die Du bis zu diesem Zeitpunkt zu Deinem Thema gefunden hast – auch wenn Du sie noch nicht alle lesen und kritisch bewerten konntest. Sie umfasst vor allem die Fachliteratur zum Thema, ggf. aber auch Sekundärdaten, die für Deine spezifischen Forschungsfragen wichtig sind (z. B. amtliche Statistiken).
6. Zeitplan
Füge eine Übersicht dazu ein, wann Du welche Phase Deines Forschungsvorhabens bearbeiten möchtest. Diese Übersicht sollte von der Anmeldung Deiner Arbeit bis zur Abgabe reichen.
Der Umfang eines Exposés
Der Umfang Deines Exposés hängt sehr davon ab, wofür Du es benötigst und wieviel Zeit Du zur Erstellung hast. Für eine Bachelorarbeit wird ein erstes Exposé vielleicht zwei bis drei Seiten lang sein (zzgl. Zeitplan und Bibliographie). Für eine Masterarbeit könnten es schon acht bis zehn Seiten sein (zzgl. Zeitplan und Bibliographie). Nach dem Studium, wenn ein Exposé für Projektanträge oder Dissertationen benötigt wird, werden es auch schon einmal umfangreichere Werke.
Wenn Du schon im Gespräch mit einer Lehrperson bist, sprich am besten mit dieser Person ab, was sie erwartet. Wenn Du noch keine Ansprechperson hast, sondern das Exposé dazu dient, genau diese Person zu finden, mach es einfach so, wie Du es für richtig hältst. Schreib auf, was Du schon weißt und kannst.
Der Gebrauch des Exposés
Zunächst einmal dient das Exposé dazu, dass Du Dir selbst klar machst, worüber Du arbeiten möchtest, was Du zu brauchst und ob Dein Wunschthema überhaupt umsetzbar wäre.
Dann schickst Du das Exposé zu der Person, mit der Du Deine Ideen weiterentwickeln möchtest, also normalerweise den Beteuer:innen Deiner Arbeit, und bittest um einen Gesprächstermin dazu. Wenn Du Dein Exposé nutzen willst, um diese Betreuer:innen überhaupt erst zu finden, schickst Du ihnen das Exposé mit einer höflichen Anfrage dazu, ob sie Deine Arbeit begleiten und begutachten möchten zu. Die meisten Lehrenden betreuen lieber Studierende, die durch ein Exposé nachweisen, dass sie sich schon intensiv mit ihrem Wunschthema auseinandergesetzt haben, als solche, die nur mit sehr vagen Vorstellungen kommen.
Wenn Du Dich dann mit den jeweiligen Ansprechpersonen zu einem Gespräch triffst, dient das Exposé als Grundlage für die Weiterentwicklung Deiner Ideen. Sei nicht enttäuscht, wenn sich Dein Thema dadurch deutlich verändert und Du Dein Exposé überarbeiten musst: Genau dazu dient das Gespräch ja. Und das Gespräch wäre sehr viel oberflächlicher, wenn Du keine schriftliche Vorlage geliefert hättest. Du selbst könntest nicht schlüssig erklären, was Du überhaupt erreichen möchtest und die Lehrenden würden Dir vielleicht Dinge vorschlagen, die überhaupt nicht in Deinem Interesse liegen.
Wenn im zweiten oder dritten Durchlauf
- in Deinem Exposé eine machbare Zielsetzung steht, auf die Du Dich mit Deinen Betreuer:innen einigen konntest,
- geklärt ist, dass ausreichend Quellen zur Bearbeitung gibt,
- abzusehen ist, dass die von Dir angestrebten Methoden umsetzbar sind (z. B. weil Du Zugang zum Untersuchungsfeld bekommst)
- und der Zeitplan angepasst ist,
dann kannst Du Deine Abschlussarbeit anmelden.
Und nun ist das Gute, dass Du nicht bei Null anfängst und nicht vor einem weißen Blatt Papier sitzt, sondern Deine Einleitung schon weitgehend steht (weil sie teilweise einem Exposé entspricht), Du die Arbeitsschritte kennst, die Du nun „nur noch“ abarbeiten musst und Du vermutlich auch schon einige Textbausteine für Deine Hauptkapitel hast.
Los geht’s!
